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Eine Website erstellen lassen und trotzdem unabhängig bleiben – worauf muss ich achten?

Domain, Zugänge und eigene Bearbeitung: Was Sie vor der Beauftragung klären sollten, damit auch ein späterer Agenturwechsel möglich bleibt.

Paul Gerngroß
Geschäftsführer, Gerngross Media
Eine Hand hält einen burgunderroten Schlüssel vor ein Browserfenster mit Schlüsselloch – Kontrolle über die eigene Website, KI-generiertes Symbolbild.
Klare Zugänge und eine geregelte Übergabe helfen Ihnen, die Kontrolle über Ihre Website zu behalten.

Ihre Website soll Ihnen Arbeit abnehmen. Sie möchten sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren und die Umsetzung einer Agentur überlassen. Gleichzeitig wollen Sie später eine Telefonnummer ändern, einen neuen Ansprechpartner ergänzen oder bei Bedarf den Dienstleister wechseln können.

Wenn Sie eine Website erstellen lassen, sollten Sie deshalb auch über die Zeit nach der Übergabe sprechen. Wer verwaltet die Domain? Welche Zugänge erhalten Sie? Welche Änderungen können Sie selbst vornehmen? Und was passiert, wenn die Zusammenarbeit irgendwann endet?

Unabhängigkeit bedeutet dabei nicht, dass Sie jede technische Aufgabe selbst übernehmen müssen. Sie bedeutet, dass wichtige Entscheidungen, Unterlagen und Zugänge nachvollziehbar geregelt sind. So können Sie Unterstützung nutzen und behalten trotzdem die Kontrolle über Ihren Internetauftritt.

1. Sollte meine Domain auf mein Unternehmen registriert sein?

Die Domain ist die Adresse, unter der Kunden Ihr Unternehmen finden. Häufig hängen daran auch Ihre geschäftlichen E-Mail-Adressen. Sie sollte deshalb nicht wie eine nebensächliche technische Einstellung behandelt werden.

Klären Sie, auf wen die Domain registriert ist, bei welchem Anbieter sie verwaltet wird und wer Änderungen freigeben kann. Ihr Unternehmen sollte als Domaininhaber geführt werden. Ihre Agentur kann die Einrichtung und laufende Verwaltung trotzdem übernehmen.

Bevor Sie eine Website erstellen lassen, prüfen Sie außerdem, ob bereits eine Domain existiert. Ein neuer Internetauftritt erfordert nicht automatisch eine neue Adresse oder einen Wechsel des Domainanbieters.

Wichtig ist auch die Wiederherstellung des Zugangs. Wenn Bestätigungen und Passwortzurücksetzungen ausschließlich an eine externe Person gehen, haben Sie im Ernstfall möglicherweise keine direkte Zugriffsmöglichkeit. Legen Sie fest, welche erreichbare Kontaktadresse Ihres Unternehmens dafür hinterlegt wird und wer intern zuständig ist.

Bei einem späteren Wechsel müssen Website und E-Mail gemeinsam mitgedacht werden. Wird etwa die Domainverwaltung geändert, dürfen die Einstellungen für Ihre Postfächer nicht versehentlich verloren gehen. Ein Agenturwechsel sollte deshalb mit einer geordneten Übergabe beginnen.

2. Welche Zugänge brauche ich wirklich?

Ein Login zur Bearbeitung der Texte ist hilfreich. Er erklärt aber noch nicht, wer die Website verwaltet oder welche Rechte Sie haben.

Je nach Umsetzung gibt es getrennte Konten für das Website-System, Hosting, Domainverwaltung, Formulare, Terminbuchungen oder Auswertungen. Nicht jedes Unternehmen braucht Zugriff auf jede technische Einzelheit. Es sollte aber wissen, welche Dienste verwendet werden und wer darüber verfügen kann.

Wenn Sie Ihre Website erstellen lassen, bitten Sie um eine verständliche Übersicht: Welches Konto gehört zu welchem Dienst? Welche Berechtigungen erhält Ihr Unternehmen? Wer bezahlt den Tarif? Und wie kann eine neue betreuende Person hinzugefügt werden?

Eigene Benutzerkonten mit passenden Rollen sind dafür oft sinnvoller als ein gemeinsames Passwort. So lassen sich Zuständigkeiten nachvollziehen und Zugänge später gezielt entziehen. Eine verantwortliche Person in Ihrem Unternehmen sollte außerdem wissen, wie der Zugriff wiederhergestellt werden kann.

Das muss nicht bedeuten, dass Sie täglich im Verwaltungsbereich arbeiten. Es bedeutet, dass Ihr Internetauftritt auch dann betreut werden kann, wenn Ihre bisherige Kontaktperson nicht verfügbar ist.

„Sie müssen Ihre Website nicht selbst betreuen, um die Kontrolle darüber zu behalten.“

3. Was kann ich nach der Übergabe selbst bearbeiten?

„Sie können später alles selbst ändern“ klingt beruhigend, ist aber zu ungenau. Texte austauschen, neue Blogbeiträge erstellen und das gesamte Seitenlayout umbauen sind unterschiedliche Aufgaben.

Besprechen Sie konkrete Beispiele aus Ihrem Alltag. Vielleicht möchten Sie Mitarbeiter ergänzen, Projektbilder hochladen oder Öffnungszeiten anpassen. Lassen Sie sich zeigen, wie diese Änderungen im gewählten System funktionieren.

Wer eine Website erstellen lassen möchte, sollte auch nach den Grenzen fragen. Welche Bereiche sind bewusst geschützt? Wann braucht es technische Unterstützung? Und können zusätzliche Unterseiten im bestehenden Aufbau angelegt werden?

Eine kurze Einweisung hilft mehr als ein Zugang ohne Erklärung. Sinnvoll sind außerdem eine verständliche Anleitung oder kurze Aufnahmen der wichtigsten Arbeitsschritte. Sie sollten auch wissen, wie Änderungen kontrolliert und veröffentlicht werden.

Die technische Betreuung bleibt davon getrennt. Inhalte bearbeiten zu können bedeutet nicht, dass Sie automatisch Updates, Sicherungen oder Fehlerbehebung übernehmen. Welche Aufgaben zur laufenden Betreuung gehören, erklären wir im Beitrag zur technischen Wartung einer Website.

Zugriff

Ihr Unternehmen kennt die verwendeten Konten und kann wichtige Zugänge wiederherstellen.

Bearbeitung

Sie wissen, welche Inhalte Sie selbst ändern können und wann Unterstützung nötig ist.

Wechsel

Eine andere betreuende Person kann die Website mit nachvollziehbaren Unterlagen übernehmen.

4. Kann ich meine Website später einfach mitnehmen?

Ein Agenturwechsel und ein Wechsel des Website-Systems sind zwei verschiedene Vorhaben. Bleibt die Website im bisherigen System, kann häufig eine andere Agentur die Betreuung übernehmen. Dafür müssen die nötigen Berechtigungen, Informationen und gegebenenfalls übertragbaren Konten verfügbar sein.

Ein Umzug in ein anderes System ist aufwendiger. Inhalte, Gestaltung und Funktionen lassen sich nicht bei jedem Anbieter vollständig übertragen. Ein heruntergeladenes Archiv ist deshalb nicht automatisch eine fertig nutzbare Website beim nächsten Dienstleister.

Wenn Sie eine Website erstellen lassen, fragen Sie konkret nach: Was lässt sich exportieren? In welchem Format? Welche Funktionen müssten bei einem Wechsel neu eingerichtet werden?

Bei Webflow sind beispielsweise CMS-Datenbanken und bestimmte Funktionen nicht Bestandteil des normalen Codeexports. Auch der übliche WordPress-Inhaltsexport ist keine vollständige Kopie des gesamten Systems: Gestaltung, Themes und Plugins werden dabei nicht mit übertragen. Das zeigt, warum der Begriff „Export“ allein noch keine ausreichende Antwort ist. Quellen: Webflow zum Codeexport, WordPress zu Export und Import.

Dasselbe Prinzip gilt bei anderen Baukästen, gehosteten Plattformen und individuell entwickelten Websites: Lassen Sie sich den späteren Übergabeweg für die konkrete Lösung erklären. Vollständige technische Unabhängigkeit von jedem Anbieter ist ein anderes Ziel als die Freiheit, Ihre Agentur zu wechseln.

5. Welche Verträge und laufenden Kosten sollte ich kennen?

Zum Betrieb können mehrere Verträge gehören: für Domain, Hosting, das Website-System, Erweiterungen oder angebundene Dienste. Hinzu kommen möglicherweise Betreuung und redaktionelle Unterstützung.

Wenn Sie eine Website erstellen lassen, sollten diese Bestandteile verständlich ausgewiesen werden. Welche Verträge schließen Sie selbst ab? Was läuft über die Agentur? Welche Laufzeiten gelten, und welche Kosten entstehen bei einer Übergabe?

Ein Betreuungspaket kann bequem sein. Sie sollten trotzdem erkennen können, welche Leistungen darin enthalten sind und welche Dienste für den Betrieb notwendig bleiben. Endet die Betreuung, muss beispielsweise geklärt sein, ob der Hostingvertrag weiterläuft oder separat übernommen werden muss.

Auch bei kostenpflichtigen Erweiterungen lohnt sich die Nachfrage. Gehört die Lizenz zu Ihrem eigenen Konto oder zu einem Agenturvertrag? Kann sie übertragen werden? Falls nicht: Was wäre nötig, damit die Funktion weiterhin genutzt werden kann?

Eine klare Übersicht hilft Ihnen, Entscheidungen zu treffen und Angebote zu vergleichen. Weitere Hinweise dazu finden Sie im Artikel darüber, was eine professionelle Website kostet und welche Folgekosten entstehen.

BereichDas sollte nachvollziehbar geregelt sein
DomainInhaber, Anbieter, Kontaktadresse und Zugriffsmöglichkeiten
Website-SystemKonto, Berechtigungen und Übergabe an eine neue Betreuung
Inhalte und GestaltungVereinbarte Nutzung und verfügbare Dateien
Hosting und ZusatzdiensteVertragspartner, Kosten, Laufzeiten und Übernahme
BearbeitungEigene Möglichkeiten, Einweisung und Grenzen
AgenturwechselUnterlagen, Zuständigkeiten und möglicher Übergabeaufwand

6. Welche Dateien und Informationen gehören zur Übergabe?

Neben den Zugängen brauchen Sie einen verständlichen Überblick über Ihre Website. Dazu gehören das eingesetzte System, angebundene Dienste und besondere Funktionen. Eine neue Agentur sollte nicht erst mühsam herausfinden müssen, wohin ein Formular seine Nachrichten sendet oder welcher Dienst die Terminbuchung übernimmt.

Wenn Sie eine Website erstellen lassen, klären Sie auch die Übergabe von Texten, Bildern und weiteren Materialien. Welche Dateien erhalten Sie? Welche bearbeitbaren Arbeitsdateien gehören zum vereinbarten Umfang? Und welche Nutzung ist für eingekaufte Bilder, Schriften oder andere Bestandteile vorgesehen?

Die Bezahlung einer Website beantwortet diese Fragen nicht automatisch für jede einzelne Datei. Lassen Sie den Umfang der Übergabe deshalb ausdrücklich beschreiben. Bei Materialien von Drittanbietern können außerdem eigene Lizenzbedingungen gelten.

Für die praktische Übergabe sind auch vorhandene Weiterleitungen und wichtige Seitenadressen relevant. Bei späteren Veränderungen sollten hilfreiche Inhalte für Suchmaschinenoptimierung (SEO) und die Auffindbarkeit in KI-Antworten (GEO) berücksichtigt werden. Ein Betreuungswechsel allein ist kein Grund, bewährte Adressen oder Inhalte unnötig zu ersetzen.

Bitten Sie außerdem darum, besondere technische Anpassungen verständlich zu dokumentieren. Es muss keine umfangreiche Entwickleranleitung für jeden Betrieb entstehen. Entscheidend ist, dass die wichtigen Informationen auffindbar sind und die nächste betreuende Person damit arbeiten kann.

7. Woran erkenne ich, ob eine Agentur das sinnvoll regelt?

Eine gute Zusammenarbeit hält auch Fragen zur späteren Übergabe aus. Sie sollten nachvollziehbare Antworten auf Ihre Zugänge, Bearbeitungsmöglichkeiten und laufenden Verträge erhalten.

Bevor Sie eine Website erstellen lassen, können Sie eine einfache Frage stellen: „Wenn in zwei Jahren jemand anderes die Betreuung übernimmt, was benötigt diese Person und wie läuft die Übergabe ab?“

Die Antwort muss keine kostenlose oder sofortige Übernahme versprechen. Eine ordentliche Übergabe kann Arbeit verursachen. Sinnvoll ist aber, diesen Aufwand verständlich einzugrenzen und mögliche Einschränkungen früh zu benennen.

Dass eine Agentur ein bestimmtes System bevorzugt oder die technische Verwaltung anbietet, ist für sich genommen kein Problem. Entscheidend ist, ob Sie die Lösung verstehen und Ihre Handlungsmöglichkeiten kennen. Weitere Fragen für das Erstgespräch finden Sie im Beitrag zur Auswahl einer passenden Website-Agentur.

Fazit: Unterstützung nutzen und die Kontrolle behalten

Sie müssen Ihre Website nicht selbst entwickeln, warten oder vollständig verwalten. Eine Agentur kann Ihnen diese Arbeit abnehmen. Trotzdem sollten Domain, Zugänge, Verträge und Übergabe verständlich geregelt sein.

Klären Sie diese Punkte vor dem Projektstart. Dann wissen Sie, was Sie selbst bearbeiten können, welche Unterstützung Sie weiterhin benötigen und welche Möglichkeiten bei einem späteren Wechsel bestehen.

KURZ BEANTWORTET

Wenn Sie eine Website erstellen lassen und unabhängig bleiben möchten, brauchen Sie klare Regelungen zu Domain, Konten, Bearbeitung, laufenden Verträgen und Übergabe. Ihr Unternehmen sollte wichtige Zugänge kontrollieren können und die Grenzen des gewählten Systems kennen. Ein Agenturwechsel ist häufig einfacher als ein vollständiger Systemwechsel. Lassen Sie sich deshalb den konkreten Übergabeweg erklären, statt sich mit der allgemeinen Zusage „Sie bekommen alles“ zufriedenzugeben.

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